Wokeness

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»Woke oder auch Wokeness genannt, kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „aufgewacht“ bzw. „wachsam“. Verwendet wird der Begriff heute umgangssprachlich vor allem für die Aufmerksamkeit (Wachsamkeit) bzw. die Feinfühligkeit gegenüber Menschen von Minderheiten und Momenten von Diskriminierungen. Im Fokus der Wokeness-Bewegung stehen vor allem Themen wie Rassismus, Sexismus und ähnliche Diskriminierungen. Nicht selten wird der Begriff aber auch für vermeintlich allgemein strukturelle und politische Missstände benutzt.«[1]

Begriff

Eine allgemeine Begriffsbestimmung ist schwierig, da die Anhänger der Wokeness keine homogene Bewegung bilden. Auch scheint es sich eher um eine Fremdbezeichnung als um eine Eigenbenennung zu handeln. Zudem ist es wohl hauptsächlich ein Phänomen der Sozialen Medien. Das deutet darauf hin, dass es sich um eine Graswurzelbewegung handelt, also nicht um eine formal strukturierte einheitliche Organisation.

Vielleicht ist es zutreffender, Wokeness nicht als Bewegung zu betrachten, sondern als eine Form von Ideologie, die von verschiedenen Strömungen und Gruppen vertreten wird.

Wokeness ist in letzter Konsequenz eine gegen die Meinungsfreiheit gerichete Form von autoritärer Ideologie, die Skandalisierung tatsächlicher oder vermeintlicher Missstände, Informationsunterdrückung, Bevormundung und Repression gegen Gegner ihrer Auffassungen propagiert.

Definition

»Definition: Was ist "Wokeness"?

Wokeness ist die Haltung und Bewegung der Wachheit und Wachsamkeit. Man verfolgt aufmerksam das Geschehen in der Welt und will Antisemitismus, Rassismus, Sexismus, Gewalt, Umweltzerstörung, Massentierhaltung und andere Übel daraus entfernen, indem man seine Stimme erhebt, in den Massenmedien und in den sozialen Medien, auf der Straße und auf den Plätzen, in Schulen, Hochschulen und Unternehmen. Im Englischen bedeutet "to be woke", "wachsam zu sein" gegenüber Ungerechtigkeiten aller Art; "woke" ist die erste Vergangenheitsform von "to wake", "aufwachen". Im Deutschen wird "woke" als Adjektiv ("Ich bin woke.") oder Substantiv (im Sinne der Woke-Bewegung oder -Kultur) verwendet.«[2]

»Bedeutung Wokeness

hohe (gelegentlich engstirnige oder mit militantem Aktivismus verbundene) Sensibilität für insbesondere rassistische, sexistische Diskriminierung, soziale Ungleichheit u. Ä.«[3]

Kritikansätze

»1. Woke zu sein beruhe nur auf Kritik

Eine häufige Kritik an der Woke-Bewegung ist, dass das Woke-Sein oft nur darauf beruhen würde, andere zu kritisieren, nicht woke genug zu sein. So auch Barack Obama (5,6,7), als er im Jahr 2019 in einem Interview mit der New York Times sagte, dass der Aktivismus junger Menschen heutzutage darauf beruht, andere Menschen an den Pranger zu stellen. So entstehe eine Schwarz-Weiß-Sicht, bei der Raum für Dialog und Aufklärung fehle. Das sei ein Problem, da alle Menschen mehr oder weniger Fehler haben. Ein zu starkes Polarisieren ist ein Muster, das vor allem in den sozialen Medien zu erkennen ist. 2. Voreilige Entwicklung einer Cancel Culture

Weiter sei eine Konsequenz einer Diskussionskultur, die nur aus Kritik bestehen würde, eine vorschnelle Entwicklung in eine Cancel Culture, in der bestimmte Menschen oder Gruppen gänzlich gemieden werden sollen, um ihnen die Plattform zu entziehen. So ist die Befürchtung, dass mitunter auch Menschen oder Gruppen gecancelt werden, die sonst Gutes tun, ohne ihnen Raum für Dialog und Entwicklung zu geben. Marotten würden so zu sehr bestraft werden.

3. Politische Korrektheit

Kontrovers diskutiert wird der Begriff „woke“ auch in Verbindung mit „politischer Korrektheit“, welche eigentlich das Ziel hat Interessen von Minderheiten vor allem durch einen passenden Sprachgebrauch zu stärken und so Diskriminierung zu vermeiden. Kritisiert wird, dass so neue Normen entstünden, die teilweise als Zensur empfunden wird. Von den Kritikern wird dadurch eine Unterwanderung der Meinungsfreiheit durch eine Art Moralismus befürchtet. Allerdings wird dabei selbst die Freiheit kritisiert Diskriminierungen anzusprechen zu dürfen.

Zuletzt sprach der neue Sprecher des US-Repräsentantenhauses Kevin McCarthy von einer "Woke-Indoktrinierung an Schulen", gegen die vorgegangen werden müsse. Der Begriff Indoktrinierung beschreibt eine vehemente, einseitig verzerrte und keine Diskussion zulassende Belehrung, die vor allem in Diktaturen eine zentrale Methode der Propaganda ist. Inwieweit die beiden Begriffe überhaupt in Verbindung stehen können, bleibt dabei fraglich.

4. Woke Washing und Woke Capitalism

Von Woke-Washing und Woke Capitalism spricht man, wenn Marken, Institutionen oder auch Einzelpersonen sich gegen Diskriminierungen bzw. Missstände äußern, aber gleichzeitig gegensätzlich oder gar nicht handeln. So ist die Kritik hier, dass gerade bei Unternehmen ein progressives Selbstbild entstehe, das sich hinter der woken Fassade dennoch einer unnachsichtigen Gewinnmaximierung unterordnet. Das Bild einer nachhaltigen und gleichberechtigten Unternehmenskultur wird so zur Marketingstrategie, statt zu einer eigenen authentischen Identität.«

[1]

Abgrenzungen und Gemeinsamkeiten

Im Zusammenhang mit der Woke-Bewegung ist stehen verschiedene Anti-Diskriminierungsbewegungen und es gibt z. B. eine enge Verbindung mit der Cancel Culture.

Die aktuelle Verwendung des Begriff Wokeness kam auf im Zusammenhang mit Bewegungen wie Black Lives Matter und Me Too (Details bleiben nachzutragen).

In der weiteren Entwicklung ist es wahrscheinlich, dass einerseits die Woke-Bewegung Themen und Strömungen "hijackte" (Trendhopping), andererseits verschiedene Bewegungen zu Trittbrettfahrern der Woke-Bewegung wurden.

Inklusive Sprache

Das Konzept der Gendersprache ist älter als woke Ideologie und Bewegungen und wird auch unabhängig von diesen verwendet. Es erscheint aber naheliegend, dass ein konsequenter Wokie das Konzept befürwortet und praktiziert.

Umfragen

Umfrage: Mehr Vorbehalte gegenüber gendersensibler Sprache.

»Gegenüber der Verwendung einer so genannten Gendersprache bestehen bei den Deutschen weiterhin deutliche Vorbehalte. Rund zwei Drittel der Wahlberechtigten (65 Prozent) lehnt deren Verwendung in Medien und Öffentlichkeit ab. Das zeigt die Statista-Grafik auf Basis von Daten der Gesellschaft für Trend- und Wahlforschung Infratest Dimap. Gegenüber der letzten Umfrage aus dem Jahr 2020 ist das ein Plus von neun Prozentpunkten. Die zunehmende Präsenz einer gendergerechten Sprache in Medien und Öffentlichkeit hat deren Akzeptanz also nicht gesteigert.

Frauen, Personen mit höherer Schulbildung und die jüngere Generation zeigen sich weiter grundsätzlich offener gegenüber einer gendergerechten Sprache, aber auch unter ihnen sind die Befürworter gegenwärtig in der Minderheit. Deutliche Vorbehalte bestehen in allen politischen Lagern. Fürsprecher finden sich am ehesten unter den Anhängern der Grünen. Aber auch von ihnen steht aktuell die Hälfte der Verwendung in Medien und Öffentlichkeit ablehnend gegenüber.«[4]

Umfrage: Relevanz von geschlechtergerechter Sprache.

Die Hälfte der Befragten hält das Thema für sehr unwichtig, etwa ein Viertel für eher oder sehr wichtig. Offenbar ist Gendersprache für eine Mehrheit weder Herzensangelegenheit noch ein Kernproblem.

Bewertung

Grundsätzlich gibt es Argumente für das Konzept, aber auch vieles, das gegen Gendersprache spricht. Allerdings würde es den Rahmen sprechen, die Debatte hier im Detail wiederzugeben. Darstellungen verschiedener Positionen finden sich auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/geschlechtergerechte-sprache-2022/346145/geschlechtergerechte-sprache-sechs-perspektiven/

Es ist schwierig, hier einen objektivierten Standpunkt einzunehmen. Die Position zum Thema ist stark abhängig von Milieu und Generation. Ob Gendersprache sich durchsetzen wird, wird die Zeit zeigen. Es ist durchaus sinnvoll, aktiv und kritisch in die Debatte einzugreifen.

Streiflicht

»Seit 2014 wurden von verschiedenen Gruppierungen Aufrufe und Kampagnen gegen bestimmte Ausprägungen geschlechtergerechter Sprache initiiert. Insbesondere wird dabei das Festhalten am generischen Maskulinum gefordert, das als sprachliche Normalität angesehen wird. So unterschrieben im Jahr 2014 in Österreich rund 800 Personen, darunter Professoren, Lehrer und Journalisten, einen offenen Brief an die Bildungs- und Frauenministerin und den Wissenschaftsminister mit Kritik an der „sprachlichen Gleichbehandlung“. Im März 2019 veröffentlichte der Verein Deutsche Sprache einen Aufruf mit dem Titel „Schluss mit Gender-Unfug!“ Im Sommer 2022 forderten mehr als 200 Sprachwissenschaftler, Philologen und weitere Unterzeichner die Öffentlich-Rechtlichen Sender in einem Aufruf auf, ihre Genderpraxis zu revidieren.«[5]

Gerade im literarischen Bereich ist die Debatte um Gendersprache sicherlich wichtig. Allerdings muss klar sein, dass es hier um legitime Strömungen im zivilgesellschaftlichen Diskurs geht und keine "finsteren Mächte" unbestimmten Hintergrunds. Es stellt sich auch die Frage, wie sinnvoll es ist, eine Intervention in diesem Bereich mit einer diffusen "Melanche" anderer Themen zu verbinden.

Political Correctness

Die Neue Zürcher Zeitung bezeichnet Wokeness als gesteigerte Form von Political Correctness.

Cancel Culture

Cancel Culture kann wahrscheinlich als eine Teilmenge der Woke-Bewegung betrachtet werden bzw. als Konsequenz der Ideologie.

Die Ungnade der späten Geburt

Von der Woke-Bewegung aufgegriffene Themen sind meist schon lange bekannt (z. B. Astrid Lindgrens Sprachgebrauch in "Pippi Langstrumpf", rassistische Äußerung von H. P. Lovecraft vor allem in seiner Korrespondenz), wurden nun aber offenbar neu entdeckt und werden jetzt skandalisiert. Auch die Affinität der Bewegung zu den Sozialen Medien legt den Gedanken nahe, dass es sich hauptsächlich um jüngere Leute handelt, die "alte weiße Männer" in der Altersgruppe ab 30[6] verorten.

Das erinnert wiederum an die linke Bewegung im Science Fiction-Fandom der 1970iger Jahre. Im Manifest des Arbeitskreis für Politische Science Fiction wird die Notwendigkeit des Kampfes gegen die "Verbürgerlichung in den eigenen Reihen" betont. Mit anderen Worten: Die überwiegend jugendlichen Akteure wollten keinesfalls so werden wie ihre Eltern! :-)

Konsequenzen

In letzter Konsequenz läuft die woke Ideologie darauf hinaus, alle Meinungsäußerungen und auch alle bereits veröffentlichten Texte dem Zeitgeist einer neu entstandenen gesellschaftlichen Ströung zu unterwerfen. Gegen missliebige Literatur sind "Leseverbote"[7] möglich oder man möchte Texte entsprechend der eigenen Auffassung umschreiben.

Das hat Anklänge an Orwells "1984" und die in dieser Dystopie beschriebene Methode der Manipulation historischer Dokumente: "Wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Gegenwart. Wer die Gegenwart beherrscht, beherrscht die Zukunft".[8]

Persönliche Anmerkung: Das Thema Zeitgeist lohnt eine nähere Befassung. Im Rückblick auf eigene Aktivitäten und Argumentationen in den 1970iger Jahren kann man heute über damals geglaubten und geäußerten groben Unfug (auch Du, Horst!^^) nur den Kopf schütteln. Allerdings erklärt sich das durch den - seinerzeitigen - Zeitgeist.

Als konsequenteste Form eines "Leseverbotes" kann man eine Bücherverbrennung betrachten, die nicht erst von den Nazis erfunden worden ist. Ray Bradburys "Fahrenheit 451", auch in der Verfilmung vom François Truffaut, oder Kurt Wimmers Film "Equilibrium" greifen hier eher Historisches als Zukünftiges auf. Auch "1984" kann hier wieder genannt werden.

Konnotationen erkennbar sind auch zur chinesischen Kulturrevolution. Die damalige Kampagne sollte nicht als Jugendrevolte missverstanden werden, sondern war eine von Mao Zedong initiierte Bewegung zur Bekämpfung innerparteilicher Konkurrenten und zur Festigung seiner eigenen Position. Allerdings war hauptsächlich die Jugend Träger der Bewegung. In den Exzessen der Kulturrevolution wurde versucht, alle historische Kultur zu vernichten und die Gegenwartskultur auf einen genehmen Rest - u. a. die Modellopern - zu reduzieren.

Weblinks

Presseveröffentlichungen

Einzelnachweise