Fernsehberichte über Perry Rhodan

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Mehrfach wurde im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen über die Romanheftserie Perry Rhodan berichtet. Nachfolgend die Typoskripte einiger Sendungen.

Text deutsch

Monitor-Magazin 1969: Perry Rhodan

Claus Hinrich Casdorff: In unserem letzten Beitrag heute Abend, wie immer in Farbe übrigens, geht es, wie in dem ersten Bericht dieser Sendung, um Macht und Machtgier, um geistige Kraftmeierei. Unser Film fußt auf der Tatsache, dass Millionen von jungen Menschen in der Bundesrepublik, und nicht nur die, sich Woche für Woche mit Eifer auf einen besonderen, sagen wir, Seitenstrang der Trivialliteratur stürzen. Nicht etwa auf Bücher, die sexuell aufgeladen sind, sondern auf bunte Hefte, in denen die Reinheit der Rasse, der Krieg, der Führerkult verherrlicht werden. Zusammen mit dem wohl bekanntesten deutschen Zukunftsforscher Robert Jungk haben wir versucht, diese Schwärmerei für den starken Mann an einem Beispiel darzustellen und die Hintergründe bloßzulegen. Das Ergebnis sollte zu denken geben.

Kommentar: Perry Rhodan, der neue gottähnliche Führer der Menschheit, Kriegsherr über ein kosmisches Riesenreich. Perry Rhodan, Science-Fiction-Titelheld eines Neun-Groschen-Wochen-Heftes mit einer monatlichen Gesamtauflage von fast einer Million. Eine Million Mal Krieg, Eroberung des Universums, Kampf um Lebensraum, Vernichtung minderwertigen Lebens. Eine Million Mal Wildwest im Weltraum. Appell an niedere Instinkte in Deutschlands erfolgreichster Heftserie. Wer ist Perry Rhodan?

Dr. Robert Jungk: Ja, Perry Rhodan ist sozusagen der Ersatz-Hitler. Er ist der Hitler des planetarischen Zeitalters, er ist der Hitler der Epoche der Weltraumflüge. Er verkörpert denselben Machtanspruch, er hat dieselben faschistischen Züge wie die Führer der 30er und 40er Jahre. Und ich halte diese Figur doch für etwas recht Gefährliches. Und ich frage mich, wie ist es möglich, dass so eine krude Führerfigur zum Helden von Millionen Jugendlichen werden kann.

Kommentar: Millionen sind bereit, dem Halbgott zu huldigen. Verdienstmedaillen in Silber, Führerkult mit Meinungsknöpfen, Anstecknadeln. Eine geschäftstüchtige Industrie nutzt die Einfalt. Raumschlachtschiffe, Waffensysteme und bunte Kinderzimmerfiguren der galaktischen Supermänner sollen die Perry Rhodan-Welle weiter treiben. Schon heute gibt es in Deutschland 600 Perry Rhodan-Clubs, die ihre Abgötter feiern wollen.

Jugendlicher 1: Also ja, mir gefällt an Perry Rhodan, an der ganzen Serie, also auch erstmal der Aufbau und an die detaillierten technischen Erklärungen. Weiterhin, also der Grundgedanke, die Einigung der Menschheit. Und dann die friedliche Eroberung des Weltraums, die leider nicht immer so gut gebracht wird. Es ist noch ein bisschen viel Krieg dazwischen. Aber die Schriftsteller bemühen sich, wenigstens Perry Rhodan in einem Licht erscheinen zu lassen, dass er auch andere Menschen und vor allen Dingen auch andere Weltraumrassen toleriert und sie als gleichberechtigt neben den Menschen stehen sieht.

Jugendlicher 2: Ja, Perry Rhodan versucht immer hinaus zu zögern und nicht auf einen Krieg ankommen zu lassen. Er greift nur in den äußersten Notfall zu den Waffen. Und es ist unvermeidbar, wenn er es wirklich macht, dann muss es sein. Es ist die einzige Möglichkeit für ihn, damit seine Rasse bestehen bleibt, also die Terraner.

Kommentar: Perry Rhodan und das ewige Naturgesetz des Kampfes. Härte und Heldentod in Raumanzügen. Die wahre Ideologie wird nur dürftig von technischem Geschwafel verdeckt. Hinter monströsen Ingenieursprojekten verbirgt sich kleinkarierte Liebe zur Diktatur und zu simplen Kriegsabenteuern. Die Perry Rhodan-Serie, von ihrem Verleger als Geschäftsrakete bejubelt, entsteht in den Köpfen eines routinierten Autorenteams, das die Kampfkraft der irdischen Raumsoldaten genießerisch zu diskutieren weiß.

Karl-Herbert Scheer: ... mit ihrer Kernschussweite auf etwa sieben Millionen Kilometer.

William Voltz: Ja, sie müsste dann aber im Laufe von tausend Jahren zumindest stark verbessert sein.

Karl-Herbert Scheer: Ja, die Frage ist jetzt aufzuwerfen, das können wir erörtern. Was ist wirkungsvoller? Was ist wirkungsvoller? Ich halte nach wie vor eine konzentrisch gesteuerte Fusionsladung, Die genau am Zielpunkt detoniert, viel besser als einen ausgesprochenen Hochenergiestrahler, der jedoch mit steigender Entfernung ganz gewaltige Energieverluste hinnehmen muss.

William Voltz: Wäre es zum Beispiel möglich, mit diesen modernen Transformkanonen den Paratronschirm der Zweitkonditionierten zu zerstören?

Karl-Herbert Scheer: Ja, das ist möglich. Das konnten wir ja schon mit den älteren Transformkanonen.

Voltz: Nur im konzentrierten Beschuss?

Karl-Herbert Scheer: Im konzentrierten Beschuss. Jetzt haben wir 4.000 Gigatonnen. Das sind 4.000 Milliarden Tonnen TNT. Stellt euch das vor. Ist also ganz schön, was Terra anzubieten hat.

Interviewer: Herr Scheer, Sie sind der Ideenkoordinator der Perry Rhodan-Stories. Sie entwerfen die Exposés, sind also gewissermaßen der Chefdenker. Wie stolz sind Sie eigentlich auf den ungeheuren Erfolg der Serie?

Karl-Herbert Scheer: Das kann man in ganz kurz und knapp beantworten. Mit einem Wort. Sehr.

Interviewer: Sie ernten ja begeistertes Lob. Werden Sie denn auch kritisiert?

Karl-Herbert Scheer: Ja, natürlich. Wer in dieser Welt wird nicht kritisiert? Die Größten der Großen sind kritisiert worden. Und wir alle, ich besonders, wir alle sind froh, wenn Kritiken in das Haus kommen. Meistens sind es Leserbriefe, die eben den Inhalt haben, dies und jenes könnte man vielleicht verbessern. Oder überhaupt Ideengut, das vom Leser stammt. Sie glauben gar nicht, wie sehr und wie gut ich das schon verwerten konnte in den Exposés.

Interviewer: Aber es gibt doch sehr präzise Vorwürfe gegen die Serie. Sie wird in ihrer gesellschaftlichen Struktur als ausgesprochen militaristisch, totalitär, ja sogar als faschistoid bezeichnet.

Karl-Herbert Scheer: Das ist blanker Unsinn. Man legt uns etwas in den Mund, was wir niemals beabsichtigt haben und was wir auch niemals getan haben. Es sind einige wenige, sogar einige ganz wenige, um es zu bekräftigen, die einfach eine Interpretation aus der Interpretation herauslesen wollen. Dagegen ist kaum etwas zu sagen. Ich darf Ihnen nur versichern, Perry Rhodan ist alles andere als beispielsweise ein Faschist oder ganz und gar ein Diktator.

Interviewer: Aber trotzdem ist er ein alleiniger Führer, der eine totale Macht hat, bei dem Befehl und Gehorsam doch offensichtlich höchstes Gutes, die Disziplin an erster Stelle steht.

Karl-Herbert Scheer: Ja, und das muss sein. Perry Rhodan ist der Großadministrator des Solaren Imperiums. Er vertritt die Menschheit, aber nicht aus eigener Machtvollkommenheit heraus, sondern mit Billigung des Solaren Senats, als gewählter, demokratisch gewählter Großadministrator und damit als Vertreter der gesamten Menschheit. Wenn Situationen auftauchen, die eine sofortige Entscheidung notwendig machen, selbstverständlich muss er aufgrund der existenten und von der Menschheit gebilligten Notstandsgesetze seine Entscheidungen treffen. Es ist niemals gesagt worden in keinem einzigen Perry Rhodan-Roman, dass sich der Terraner, der Mensch, als übergeordnet über alles betrachtet und sich demnach benimmt. Selbstverständlich trifft Rhodan auf Völkerschaften, den Begriff Rassen will ich gar nicht gebrauchen, denn es sind Völker, egal wie sie körperlich aussehen, wie sie denken und handeln, wie sie geistig eingestellt sind. Es gibt welche darunter, die nun der Menschheit nicht sehr wohl gesonnen sind, die auf alle politischen Verhandlungsversuche eben so reagieren, wie man an und für sich nicht reagieren sollte. Die letzte Entscheidung ist dann naturgemäß im Romanzyklus die bewaffnete Auseinandersetzung.

Kommentar: Die bewaffnete Auseinandersetzung. Zweifel sind ihm fremd. Die Eroberung des Weltraums à la Rhodan ist gerecht und gut. Die Monster fremder Planeten lassen sich nur selten ohne Widerstand dem Reich des unsterblichen Menschheitsführers einverleiben. Und das alles, die bewaffnete Auseinandersetzung, das große Weltraumwürgen, findet in Deutschland millionenfachen Beifall.

Jungk: Die Perry Rhodan-Serie in Deutschland ist eigentlich ein Zeichen für eine gewisse mentale Rückständigkeit in Deutschland. In Amerika hat es auch den Superman gegeben, aber der Superman ist heute durch bessere Formen von Science Fiction abgelöst. Man lacht nur noch über Superman, während man in Deutschland leider Gottes Perry Rhodan noch sehr ernst nimmt. Und ich frage mich, ob hier nicht eben eine heimliche Führersehnsucht immer noch schlummert, ob nicht der deutsche Mensch sich nach einem Perry Rhodan sehnt.

Perry Rhodan - Der ewige Kosmonaut

Perry Rhodan wird 50 - Bericht des ZDF heute Teams

Perry Rhodan - West.art zum 50jährigen Science Fiction-Epos

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