Wolfgang Thadewald: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Wolfgang Thadewald''' (* 24. April 1936 in | '''Wolfgang Thadewald''' (* 24. April 1936 in {{WP|Stettin}}; † 1. Dezember 2014 in {{WP|Langenhagen}}) war ein deutscher {{WP|Sammeln|Sammler}}, {{WP|Bibliografie|Bibliograf}}, {{WP|Verleger}}, {{WP|Herausgeber}}, {{WP|Autor}} {{WP|Groteske|grotesk}}-{{WP|Skurrilität|skurriler}} Erzählungen<ref name=Krowas>Michael Krowas: ''Jules Verne ist in Langenhagen zu Hause.''</ref> und einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kenner der Werke des französischen {{WP|Science Fiction}}-Schriftstellers {{WP|Jules Verne}}.<ref name=Ruppelt348>Georg Ruppelt: ''Die Jules-Verne-Sammlung von Wolfgang Thadewald in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek.'' S. 348.</ref> | ||
== Leben und Berufsweg == | == Leben und Berufsweg == | ||
{{WP|Datei:Thadewald Wolfgang Feb 2008 (Stefan Marniok).jpg|mini|Wolfgang Thadewald in seiner Bibliothek (2008)}} | |||
Zusammen mit seiner Familie | Zusammen mit seiner Familie {{WP|Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950|floh}} der knapp neunjährige Thadewald am Ende des {{WP|Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieges}} über Dänemark aus seiner {{WP|Vorpommern|vorpommerschen}} Heimat nach Westdeutschland.<ref name=Ruppelt348/> Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete als Finanzbeamter<ref name=Dehs105>Volker Dehs: ''In memoriam Wolfgang Thadewald (1936–2014).'' S. 105.</ref>, zuletzt als {{WP|Gehobener Dienst|Steueroberamtsrat}} in der Funktion eines Hauptabteilungsleiters.<ref name=WeigangFaszi>Jörg Weigand: ''Ungebrochene Faszination.''</ref> | ||
== Science Fiction-Fandom == | == Science Fiction-Fandom == | ||
Mit 18 Jahren musste Thadewald für mehrere Monate ins Krankenhaus und lernte in dieser Zeit die gerade auf den Markt gekommene Science-Fiction- | Mit 18 Jahren musste Thadewald für mehrere Monate ins Krankenhaus und lernte in dieser Zeit die gerade auf den Markt gekommene Science-Fiction-{{WP|Heftroman |Romanheftreihe}} ''Utopia'' aus dem {{WP|Pabel-Moewig Verlag|Pabel-Verlag}} kennen<ref name=WeigangFaszi/>. | ||
Ab Anfang der 1960iger Jahre wurde er im deutschen | Ab Anfang der 1960iger Jahre wurde er im deutschen {{WP|Science Fiction-Fandom}} aktiv<ref>Hagen Zboron: ''Tabellierte Fandoms-Historie''. In: ''Nibelungen'' Nr. 2, S. 100 (1960-62). S. 102 (1962-63), S. 104 (1963-64), S. 107 (1964-65).</ref>. Anfang der 1960er Jahre gründete Thadewald gemeinsam mit Ernst-August Pösse (1935–2012) die ''Science-Fiction-Gruppe Hannover'' (SFGH)<ref name=Krowas/>. | ||
Thadewald war auch Mitglied der 1981 wieder gegründeten | Thadewald war auch Mitglied der 1981 wieder gegründeten {{WP|Science Fiction Gruppe Hannover}} und von 1997 bis 2003 Herausgeber des Gruppen-Fanzines ''SFGH-Chroniken'' (Nr. 177-199).<ref>[https://sfgh.de/memories/Thadewald,%20Wolfgang/Nachruf.pdf Fred Körper: ''Nachruf: Wolfgang Thadewald, 1936-2014''], 13. Februar 2015, als PDF auf der Website der Gruppe.</ref>. | ||
== Sammler und Jules-Verne-Experte == | == Sammler und Jules-Verne-Experte == | ||
{{WP|Datei:Thadewald-Sammlung Feb 2008 (Stefan Marniok).jpg|mini|Sehr kleiner Ausschnitt der Thadewald-Sammlung/Bibliothek (2008)}} | |||
Nachdem er im Alter von 18 Jahren Science-Fiction und Phantastik für sich entdeckt hatte, machte er mit 22 schließlich Bekanntschaft mit dem Werk Jules Vernes.<ref name=Krowas/> Von diesem Zeitpunkt an sammelte er bis zu seinem Tode alles, was er über den französischen Autoren finden konnte. Mit | Nachdem er im Alter von 18 Jahren Science-Fiction und Phantastik für sich entdeckt hatte, machte er mit 22 schließlich Bekanntschaft mit dem Werk Jules Vernes.<ref name=Krowas/> Von diesem Zeitpunkt an sammelte er bis zu seinem Tode alles, was er über den französischen Autoren finden konnte. Mit {{WP|detektiv}}ischem Spürsinn trug er in {{WP|Genauigkeit|akribischer}} Kleinarbeit<ref>Volker Dehs: ''Wolfgang Thadewalds Vernereien.'' S. 7.</ref> die wahrscheinlich größte Sammlung zu Jules Verne in {{WP|Deutsche Sprache|deutscher Sprache}} zusammen. Seine Sammlung umfasst mit ca. 4.000 Objekten über 90 % aller bekannten deutschsprachigen Verne-Ausgaben (inklusive dazugehöriger {{WP|Sekundärliteratur}}) und sonstigen Objekte.<ref name=WeigangFaszi/> Sie umfasst nicht nur die verschiedenen {{WP|Edition|Ausgaben}}, sondern auch deren einzelne {{WP|Auflage (Publikation)|Auflagen}}. Darunter befinden sich nicht nur {{WP|Deckenband|gebundene}} Ausgaben, sondern auch {{WP|Taschenbuch|Taschenbücher}}, Heftromane und {{WP|Comic}}s. Des Weiteren {{WP|Anthologie}}n mit Einzelerzählungen, {{WP|Hörspiel}}- und {{WP|Hörbuch}}-{{WP|Schallplatte}}n und -{{WP|Kompaktkassette|Kassetten}} und Verfilmungen von Vernes Werken. Schließlich hatte Thadewald auch zahlreiche „Kleinteile“, wie {{WP|Porträt}}stiche, {{WP|Bastelbogen|Bastelbögen}}, {{WP|Sammelbilder}}, Figurbögen für {{WP|Papiertheater}} etc.<ref name=WeigangFaszi/> | ||
Thadewald hatte seine Sammlung zwischen zwei eingeschossigen Häusern in Langenhagen aufgeteilt. In einem der Häuser lebte er zwischen seiner Jules-Verne-Sammlung wie in einer | Thadewald hatte seine Sammlung zwischen zwei eingeschossigen Häusern in Langenhagen aufgeteilt. In einem der Häuser lebte er zwischen seiner Jules-Verne-Sammlung wie in einer {{WP|Bibliothek}}.<ref name=Blode>Ulrich Blode: ''Wolfgang Thadewald.''</ref> Er {{WP|Vermächtnis|vermachte}} seine komplette Jules-Verne-Sammlung der {{WP|Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek|Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek}} in {{WP|Hannover}}. Die Sammlung umfasst etwa 4000 Stücke, darunter ''2.000 gebundene Bücher, 800 Taschenbücher, 200 Hefte (= 3.000 Stücke) und etwa 200 Schallplatten und Kassetten …'' (Zitat aus dem {{WP|Testament}}).<ref>zitiert nach: Georg Ruppelt: ''Die Jules-Verne-Sammlung von Wolfgang Thadewald in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek.'' S. 349.</ref> Seine Sammlung von mehr als 45.000 Bänden {{WP|Phantastik|fantastischer Literatur}}<ref name=Krowas/> vermachte er der {{WP|Phantastische Bibliothek Wetzlar}}. | ||
Nach Verhandlungen zwischen der Leibniz Bibliothek und der Phantastischen Bibliothek einigten sich beide Seiten 2019 darauf, die komplette Jules-Verne-Sammlung Thadewalds, die seit 2014 in 92 Umzugskartons in einem Depot der Leibniz Bibliothek eingelagert war, vollständig an die Phantastische Bibliothek zu übergeben. Im Mai 2019 wurde die Sammlung nach Wetzlar gebracht, wo sich seither Jules-Verne-Experten (u. a. des | Nach Verhandlungen zwischen der Leibniz Bibliothek und der Phantastischen Bibliothek einigten sich beide Seiten 2019 darauf, die komplette Jules-Verne-Sammlung Thadewalds, die seit 2014 in 92 Umzugskartons in einem Depot der Leibniz Bibliothek eingelagert war, vollständig an die Phantastische Bibliothek zu übergeben. Im Mai 2019 wurde die Sammlung nach Wetzlar gebracht, wo sich seither Jules-Verne-Experten (u. a. des {{WP|Jules-Verne-Club}}s) damit befassen, diese für die Öffentlichkeit zu erschließen.<ref>Norbert Scholz: ''Der Nachlass Wolfgang Thadewalds, eine Zwischenbilanz.'' In: ''Nautilus – Magazin des Jules-Verne-Clubs.'' Nr. 35, Oktober 2019, S. 43–45.</ref> | ||
Im Laufe seines Sammlerlebens veröffentlichte Thadewald zahlreiche Fachaufsätze und Bücher über Verne, so zum Beispiel eine | Im Laufe seines Sammlerlebens veröffentlichte Thadewald zahlreiche Fachaufsätze und Bücher über Verne, so zum Beispiel eine {{WP|Gesamtausgabe}} der auf Deutsch erschienenen Verneschen Werke auf einer CD-ROM, die auf über 39.000 Seiten eine ausführliche Einleitung, Romane, Erzählungen, alte {{WP|Rezension}}en sowie Bio- und Bibliografien enthält.<ref name=Vernereien8>Volker Dehs: ''Wolfgang Thadewalds Vernereien.'' S. 8.</ref> | ||
Wolfgang Thadewald wurde am 14. Oktober 2000 Mitglied des deutschen | Wolfgang Thadewald wurde am 14. Oktober 2000 Mitglied des deutschen {{WP|Jules-Verne-Club}}s, dem er bis zu seinem Tode angehörte. | ||
== Literaturagent == | == Literaturagent == | ||
Thadewald interessierte sich sehr für Literatur und leitete | Thadewald interessierte sich sehr für Literatur und leitete {{WP|Nebenberuf|nebenberuflich}} während des {{WP|Kalter Krieg|Kalten Krieges}} lange Jahre eine eigene {{WP|Literaturagent}}ur, die sich auf {{WP|Polnische Literatur|polnische Autoren}} spezialisiert hatte, damit diese auf dem deutschen Markt veröffentlichen konnten. Zu den von ihm verlegten Autoren gehörten unter anderem der Science-Fiction-Autor {{WP|Stanisław Lem}}, den er über 40 Jahre lang vertrat<ref name=WeigangFaszi/> und mit dem ihn bis zu dessen Tod im Jahre 2006 eine enge Freundschaft verband.<ref>Thomas Schlück: ''Wolfgang Thadewald und Stanisław Lem.'' In: Le Blanc Weigand (Hrsg.): ''Zwischen Jules Verne und Ewigkeit – Wolfgang Thadewald – Erinnerungen an einen Freund.'' S. 38.</ref> Auch {{WP|Marian Orzechowski}}, von 1985 bis 1988 polnischer Außenminister und Träger des {{WP|Friedenspreis des Deutschen Buchhandels|Friedenspreises des Deutschen Buchhandels}}, wurde von ihm vertreten.<ref name=Blode/> Genau so wie der katholische Geistliche Karol Wojtyla, der spätere {{WP|Papst}} {{WP|Johannes Paul II.}}, der mit Thadewalds Unterstützung {{WP|Lyrik}} veröffentlichen konnte.<ref name=Krowas/> | ||
1966 gab er im | 1966 gab er im {{WP|Selbstverlag}} zusammen mit {{WP|Thomas Schlück}} den Science-Fiction-Roman ''Star Maker'' des Briten {{WP|Olaf Stapledon}} heraus, den Schlück übersetzt hatte.<ref>Heinz J. Galle: ''Wie die Science Fiction Deutschland eroberte. Erinnerungen an die miterlebte Vergangenheit der Zukunft.'' Dieter von Reeken (Hrsg.), Lüneburg 2008, S. 42–43.</ref> | ||
== Sonstiges == | == Sonstiges == | ||
Zwischen 2004 und 2006 arbeitete er an der Studie „Verkehrssysteme der Zukunft“ der Phantastischen Bibliothek Wetzlar und des | Zwischen 2004 und 2006 arbeitete er an der Studie „Verkehrssysteme der Zukunft“ der Phantastischen Bibliothek Wetzlar und des {{WP|Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt|Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt}} mit.<ref>''[http://elib.dlr.de/20993/ Verkehrssysteme der Zukunft - eine interdisziplinäre wissenschaftliche Studie]''</ref> 2006 war er neben {{WP|Thomas Le Blanc}}, {{WP|Peter von Möllendorff}} und {{WP|Thomas Schlück}} einer von insgesamt 19 Stiftungsgründern der {{WP|Phantastische Bibliothek Wetzlar|Phantastischen Bibliothek}} in {{WP|Wetzlar}}.<ref>[http://www.phantastik.eu/ueber-uns/traegerschaft/stiftungsdaten Stiftungsdaten der Phantastischen Bibliothek Wetzlar]</ref> „Für seine langjährigen Verdienste um die Jules-Verne-Forschung“ wurde er 2007 für den {{WP|Kurd-Laßwitz-Preis}} nominiert.<ref>[http://www.kurd-lasswitz-preis.de/2007/KLP_2007_Sonderpreis.htm Nominierung für den Sonderpreis des KLP 2007]</ref> Thadewald gilt als Miterfinder des (realen) Getränks ''Vurguzz''<ref>{{WP|Haus der Geschichte}}: [http://www.museumsmagazin.com/2013/03/leipzig/der-weg-ist-das-ziel/ Museumsmagazin 3/2013: „Der Weg ist das Ziel!“]</ref>, das als fiktives {{WP|Getränk#Alkoholische Getränke|alkoholisches Getränk}} mit 250 {{WP|Volumenprozent|Vol.-%}}<ref>{{WP|Perrypedia}}-Artikel über [http://www.perrypedia.proc.org/wiki/Vurguzz Vurguzz]</ref> angeblich von {{WP|Jesco von Puttkamer (Raumfahrtingenieur)|Jesco von Puttkamer}} erfunden worden sein soll und im Science-Fiction-{{WP|Fandom}} Kultstatus besitzt.<ref>[http://sfgh.de/pdf/fandom/VURGUZZ.pdf Wolfgang Thadewald: ''Die Geschichte des Vurguzz.'' In: ''SFGH-Chroniken.'' Nr. 181, Science Fiction Gruppe Hannover, Dezember 1997.]</ref> | ||
Wolfgang Thadewald, der nie mit einem | Wolfgang Thadewald, der nie mit einem {{WP|Computer}} gearbeitet hat<ref name=Vernereien8/>, starb 78-jährig im Dezember 2014 nach langer, schwerer Krankheit.<ref name=Vernereien9/> Er war unverheiratet und ohne {{WP|Nachkomme}}n.<ref name=Krowas/> | ||
== Bibliografie (Auswahl) == | == Bibliografie (Auswahl) == | ||
{{WP|Datei:Nautilus Nr 26 April 2015 Titelbild.jpg|mini|Titelblatt ''Nautilus – Magazin des Jules-Verne-Clubs'', Nr. 26 vom April 2015, mit einem Nachruf auf Wolfgang Thadewald.}} | |||
; Als Autor | ; Als Autor | ||
Thadewald ist unter anderem Autor von über 500 Artikeln über Jules Verne. Er verfasste ebenfalls zahlreiche Bibliografien für das als | Thadewald ist unter anderem Autor von über 500 Artikeln über Jules Verne. Er verfasste ebenfalls zahlreiche Bibliografien für das als {{WP|Loseblattsammlung}} erscheinende ''Bibliographische Lexikon der utopisch-phantastischen Literatur''<ref>Heinrich Wimmer: ''Ein bibliographisches Gehirn.'' In: Le Blanc Weigand (Hrsg.): ''Zwischen Jules Verne und Ewigkeit – Wolfgang Thadewald – Erinnerungen an einen Freund.'' S. 25–26.</ref> sowie das von Friedrich Schegk und Heinrich Wimmer herausgegebene ''Lexikon der Reise- und Abenteuerliteratur''.<ref name=Vernereien9>Volker Dehs: Wolfgang Thadewalds Vernereien. S. 9.</ref> Darüber hinaus schrieb er grotesk-skurrile Erzählungen, deren {{WP|Protagonist}}en die Mitglieder der Familie ''Ranz'' sind.<ref name=Krowas/> Zusammen mit zahlreichen anderen Autoren, wie {{WP|Volker Dehs}} oder {{WP|Thomas Ostwald}}, verfasste Thadewald Beiträge für das von {{WP|Heinrich Pleticha}} 1992 herausgegebene ''Jules Verne Handbuch''. Der weiteren veröffentlichte er auch Erzählungen in Heftromanreihen wie ''{{WP|Terra Astra}}'', ''{{WP|Perry Rhodan}}'', ''{{WP|Raumschiff Promet}}'', ''{{WP|Terra Nova (Heftromanreihe)|Terra Nova}}''<ref>Alpers, Fuchs, Hahn und Jeschke: ''Lexikon der Science Fiction Literatur''. Bd. 2, S. 1204.</ref> oder in ''Nautilus'', dem ''Magazin des Jules-Verne-Clubs''.<ref>[http://www.jules-verne-club.de/jvc/clubleben/publikationen/nautilus/#a2 Wolfgang Thadewalds ''Nautilus''-Artikel]</ref> | ||
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* ''150 Jahre Jules Verne – Zeugnisse aus den Anfängen einer neuen Literaturgattung.'' Bremerhaven 2013. | * ''150 Jahre Jules Verne – Zeugnisse aus den Anfängen einer neuen Literaturgattung.'' Bremerhaven 2013. | ||
* Gustav Hofmann: ''Die Reise nach dem Mond. Nach Jules Verne.'' Bremerhaven 2014. | * Gustav Hofmann: ''Die Reise nach dem Mond. Nach Jules Verne.'' Bremerhaven 2014. | ||
* ''Jules Verne im Groschenformat – Heftromane des 19. Jahrhunderts.'' Bremerhaven 2015 ( | * ''Jules Verne im Groschenformat – Heftromane des 19. Jahrhunderts.'' Bremerhaven 2015 ({{WP|postum}} erschienen) | ||
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* ''Jules Verne. Bekannte und unbekannte Welten.'' (mit CD). Directmedia, Berlin 2004. | * ''Jules Verne. Bekannte und unbekannte Welten.'' (mit CD). Directmedia, Berlin 2004. | ||
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Thadewald Wolfgang Sammlung POPP Julius Verne und sein Werk 1909.JPG| | Thadewald Wolfgang Sammlung POPP Julius Verne und sein Werk 1909.JPG|{{WP|Max Popp}}: ''Julius Verne und sein Werk'' (von 1909) | ||
Thadewald Wolfgang Sammlung Von der Erde zum Mond Hartleben 1876.JPG|'' | Thadewald Wolfgang Sammlung Von der Erde zum Mond Hartleben 1876.JPG|''{{WP|Von der Erde zum Mond}}'' (von 1876) | ||
Thadewald Wolfgang Sammlung Die Propeller-Insel Reiseromane.JPG|'' | Thadewald Wolfgang Sammlung Die Propeller-Insel Reiseromane.JPG|''{{WP|Die Propellerinsel|Die Propeller-Insel}}'' (um 1900) | ||
Thadewald Wolfgang Sammlung Reise um die Erde in achtzig Tagen ill Jugendbibliothek 1891.JPG|'' | Thadewald Wolfgang Sammlung Reise um die Erde in achtzig Tagen ill Jugendbibliothek 1891.JPG|''{{WP|Reise um die Erde in 80 Tagen|Reise um die Erde in achtzig Tagen}}'' (von 1891) | ||
Thadewald Wolfgang Sammlung Eine Idee des Doktor Ox Hendel.JPG|'' | Thadewald Wolfgang Sammlung Eine Idee des Doktor Ox Hendel.JPG|''{{WP|Eine Idee des Dr. Ox|Eine Idee des Doktor Ox}}'' (um 1900) | ||
Thadewald Wolfgang Sammlung Der Chancellor Collection Verne 1887.JPG|'' | Thadewald Wolfgang Sammlung Der Chancellor Collection Verne 1887.JPG|''{{WP|Der Chancellor}}'' (von 1887) | ||
Thadewald Wolfgang Sammlung Fuenf Wochen im Ballon Weichert.JPG|'' | Thadewald Wolfgang Sammlung Fuenf Wochen im Ballon Weichert.JPG|''{{WP|Fünf Wochen im Ballon}}'' (um 1900) | ||
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Version vom 25. Januar 2025, 13:46 Uhr
Wolfgang Thadewald (* 24. April 1936 in
[2]; † 1. Dezember 2014 in
[3]) war ein deutscher
[4],
[5],
[6],
[7],
[8]
[9]-
[10] Erzählungen[1] und einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kenner der Werke des französischen
Fiction-Schriftstellers
Verne.[2]
Leben und Berufsweg
Wolfgang Feb 2008 (Stefan Marniok).jpg
Zusammen mit seiner Familie
und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950 der knapp neunjährige Thadewald am Ende des
Weltkrieg über Dänemark aus seiner
[11] Heimat nach Westdeutschland.[2] Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete als Finanzbeamter[3], zuletzt als
Dienst in der Funktion eines Hauptabteilungsleiters.[4]
Science Fiction-Fandom
Mit 18 Jahren musste Thadewald für mehrere Monate ins Krankenhaus und lernte in dieser Zeit die gerade auf den Markt gekommene Science-Fiction-
[12] Utopia aus dem
Verlag kennen[4].
Ab Anfang der 1960iger Jahre wurde er im deutschen
Fiction-Fandom aktiv[5]. Anfang der 1960er Jahre gründete Thadewald gemeinsam mit Ernst-August Pösse (1935–2012) die Science-Fiction-Gruppe Hannover (SFGH)[1].
Thadewald war auch Mitglied der 1981 wieder gegründeten
Fiction Gruppe Hannover und von 1997 bis 2003 Herausgeber des Gruppen-Fanzines SFGH-Chroniken (Nr. 177-199).[6].
Sammler und Jules-Verne-Experte
Feb 2008 (Stefan Marniok).jpg
Nachdem er im Alter von 18 Jahren Science-Fiction und Phantastik für sich entdeckt hatte, machte er mit 22 schließlich Bekanntschaft mit dem Werk Jules Vernes.[1] Von diesem Zeitpunkt an sammelte er bis zu seinem Tode alles, was er über den französischen Autoren finden konnte. Mit
[13]ischem Spürsinn trug er in
[14] Kleinarbeit[7] die wahrscheinlich größte Sammlung zu Jules Verne in
Sprache zusammen. Seine Sammlung umfasst mit ca. 4.000 Objekten über 90 % aller bekannten deutschsprachigen Verne-Ausgaben (inklusive dazugehöriger
[15]) und sonstigen Objekte.[4] Sie umfasst nicht nur die verschiedenen
[16], sondern auch deren einzelne
(Publikation). Darunter befinden sich nicht nur
[17] Ausgaben, sondern auch
[18], Heftromane und
[19]s. Des Weiteren
[20]n mit Einzelerzählungen,
[21]- und
[22]-
[23]n und -
[24] und Verfilmungen von Vernes Werken. Schließlich hatte Thadewald auch zahlreiche „Kleinteile“, wie
[25]stiche,
[26],
[27], Figurbögen für
[28] etc.[4]
Thadewald hatte seine Sammlung zwischen zwei eingeschossigen Häusern in Langenhagen aufgeteilt. In einem der Häuser lebte er zwischen seiner Jules-Verne-Sammlung wie in einer
[29].[8] Er
[30] seine komplette Jules-Verne-Sammlung der
Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek in
[31]. Die Sammlung umfasst etwa 4000 Stücke, darunter 2.000 gebundene Bücher, 800 Taschenbücher, 200 Hefte (= 3.000 Stücke) und etwa 200 Schallplatten und Kassetten … (Zitat aus dem
[32]).[9] Seine Sammlung von mehr als 45.000 Bänden
[33][1] vermachte er der
Bibliothek Wetzlar.
Nach Verhandlungen zwischen der Leibniz Bibliothek und der Phantastischen Bibliothek einigten sich beide Seiten 2019 darauf, die komplette Jules-Verne-Sammlung Thadewalds, die seit 2014 in 92 Umzugskartons in einem Depot der Leibniz Bibliothek eingelagert war, vollständig an die Phantastische Bibliothek zu übergeben. Im Mai 2019 wurde die Sammlung nach Wetzlar gebracht, wo sich seither Jules-Verne-Experten (u. a. des
[34]s) damit befassen, diese für die Öffentlichkeit zu erschließen.[10]
Im Laufe seines Sammlerlebens veröffentlichte Thadewald zahlreiche Fachaufsätze und Bücher über Verne, so zum Beispiel eine
[35] der auf Deutsch erschienenen Verneschen Werke auf einer CD-ROM, die auf über 39.000 Seiten eine ausführliche Einleitung, Romane, Erzählungen, alte
[36]en sowie Bio- und Bibliografien enthält.[11]
Wolfgang Thadewald wurde am 14. Oktober 2000 Mitglied des deutschen
[37]s, dem er bis zu seinem Tode angehörte.
Literaturagent
Thadewald interessierte sich sehr für Literatur und leitete
[38] während des
Krieg lange Jahre eine eigene
[39]ur, die sich auf
Literatur spezialisiert hatte, damit diese auf dem deutschen Markt veröffentlichen konnten. Zu den von ihm verlegten Autoren gehörten unter anderem der Science-Fiction-Autor
Lem, den er über 40 Jahre lang vertrat[4] und mit dem ihn bis zu dessen Tod im Jahre 2006 eine enge Freundschaft verband.[12] Auch
Orzechowski, von 1985 bis 1988 polnischer Außenminister und Träger des
des Deutschen Buchhandels, wurde von ihm vertreten.[8] Genau so wie der katholische Geistliche Karol Wojtyla, der spätere
[40]
Paul II., der mit Thadewalds Unterstützung
[41] veröffentlichen konnte.[1]
1966 gab er im
[42] zusammen mit
Schlück den Science-Fiction-Roman Star Maker des Briten
Stapledon heraus, den Schlück übersetzt hatte.[13]
Sonstiges
Zwischen 2004 und 2006 arbeitete er an der Studie „Verkehrssysteme der Zukunft“ der Phantastischen Bibliothek Wetzlar und des
Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit.[14] 2006 war er neben
Le Blanc,
von Möllendorff und
Schlück einer von insgesamt 19 Stiftungsgründern der
Bibliothek Wetzlar in
[43].[15] „Für seine langjährigen Verdienste um die Jules-Verne-Forschung“ wurde er 2007 für den
[44] nominiert.[16] Thadewald gilt als Miterfinder des (realen) Getränks Vurguzz[17], das als fiktives
Getränke mit 250
[45][18] angeblich von
von Puttkamer (Raumfahrtingenieur) erfunden worden sein soll und im Science-Fiction-
[46] Kultstatus besitzt.[19]
Wolfgang Thadewald, der nie mit einem
[47] gearbeitet hat[11], starb 78-jährig im Dezember 2014 nach langer, schwerer Krankheit.[20] Er war unverheiratet und ohne
[48]n.[1]
Bibliografie (Auswahl)
Nr 26 April 2015 Titelbild.jpg
- Als Autor
Thadewald ist unter anderem Autor von über 500 Artikeln über Jules Verne. Er verfasste ebenfalls zahlreiche Bibliografien für das als
[49] erscheinende Bibliographische Lexikon der utopisch-phantastischen Literatur[21] sowie das von Friedrich Schegk und Heinrich Wimmer herausgegebene Lexikon der Reise- und Abenteuerliteratur.[20] Darüber hinaus schrieb er grotesk-skurrile Erzählungen, deren
[50]en die Mitglieder der Familie Ranz sind.[1] Zusammen mit zahlreichen anderen Autoren, wie
Dehs oder
Ostwald, verfasste Thadewald Beiträge für das von
Pleticha 1992 herausgegebene Jules Verne Handbuch. Der weiteren veröffentlichte er auch Erzählungen in Heftromanreihen wie
Astra,
Rhodan,
Promet,
Nova (Heftromanreihe)[22] oder in Nautilus, dem Magazin des Jules-Verne-Clubs.[23]
- Als Herausgeber
Mit Hilfe des Jules-Verne-Clubs[24] konnte die neue Reihe Thadewalds Spaziergänge durch die Vernistik[25] herausgebracht werden, die Erzählungen von Verne-Nachahmern und frühe deutschsprachige Zeitungsrezensionen und sonstige öffentlich nur schwer zugängliche Texte umfasst.[8] Zu seinen Lebzeiten erschienen zwei Bände:
- 150 Jahre Jules Verne – Zeugnisse aus den Anfängen einer neuen Literaturgattung. Bremerhaven 2013.
- Gustav Hofmann: Die Reise nach dem Mond. Nach Jules Verne. Bremerhaven 2014.
- Jules Verne im Groschenformat – Heftromane des 19. Jahrhunderts. Bremerhaven 2015 (
[51] erschienen)
Thadewalds
magnum ist jedoch:
- Jules Verne. Bekannte und unbekannte Welten. (mit CD). Directmedia, Berlin 2004.
Impressionen aus der Sammlung
-
Popp: Julius Verne und sein Werk (von 1909)
-
der Erde zum Mond (von 1876)
-
Propellerinsel (um 1900)
-
um die Erde in 80 Tagen (von 1891)
-
Idee des Dr. Ox (um 1900)
-
Chancellor (von 1887)
-
Wochen im Ballon (um 1900)
Literatur
- Hans Joachim Alpers, Werner Fuchs, Ronald M. Hahn, Wolfgang Jeschke: Lexikon der Science Fiction Literatur. Bd. 2. Heyne, München 1980, ISBN 3-453-01064-7, S. 1204.
- Ulrich Blode: Wolfgang Thadewald. In: phantastisch! neues aus anderen welten. Nr. 58. S. 57–58.
- Volker Dehs: Wolfgang Thadewalds Vernereien. In: Nautilus. Magazin des Jules-Verne-Clubs. No 26, April 2015, S. 5–10.
- Thomas Le Blanc und Jörg Weigand (Hrsg.): Zwischen Jules Verne und Ewigkeit – Wolfgang Thadewald – Erinnerungen an einen Freund. Phantastische Bibliothek Wetzlar 2015. (Inhaltsverzeichnis)
- Georg Ruppelt: Die Jules-Verne-Sammlung von Wolfgang Thadewald in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek. In: Erlesenes von Georg Ruppelt. b.i.t. online 18 (2015) Nr. 4, S. 348–349.
- Jörg Weigand: Ungebrochene Faszination: Wolfgang Thadewald und seine Jules-Verne-Sammlung. In: Aus dem Antiquariat. Zeitschrift für Antiquare und Büchersammler. Nr. 5, 17. Oktober 2003, Frankfurt/M., S. 366–370.
Weblinks
- Literatur von und über Wolfgang Thadewald im Katalog der
Deutschen Nationalbibliothek - Wolfgang Thadewald in der
Internet Speculative Fiction Database (englisch) - Volker Dehs: In memoriam Wolfgang Thadewald (1936–2014) (PDF, Nachruf in Französisch)
- Michael Krowas: Jules Verne ist in Langenhagen zu Hause. In: Hannoversche Allgemeine vom 5. August 2013.
- Nachruf auf der Website der SF-Gruppe Hannover
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Michael Krowas: Jules Verne ist in Langenhagen zu Hause.
- ↑ 2,0 2,1 Georg Ruppelt: Die Jules-Verne-Sammlung von Wolfgang Thadewald in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek. S. 348.
- ↑ Volker Dehs: In memoriam Wolfgang Thadewald (1936–2014). S. 105.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Jörg Weigand: Ungebrochene Faszination.
- ↑ Hagen Zboron: Tabellierte Fandoms-Historie. In: Nibelungen Nr. 2, S. 100 (1960-62). S. 102 (1962-63), S. 104 (1963-64), S. 107 (1964-65).
- ↑ Fred Körper: Nachruf: Wolfgang Thadewald, 1936-2014, 13. Februar 2015, als PDF auf der Website der Gruppe.
- ↑ Volker Dehs: Wolfgang Thadewalds Vernereien. S. 7.
- ↑ 8,0 8,1 8,2 Ulrich Blode: Wolfgang Thadewald.
- ↑ zitiert nach: Georg Ruppelt: Die Jules-Verne-Sammlung von Wolfgang Thadewald in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek. S. 349.
- ↑ Norbert Scholz: Der Nachlass Wolfgang Thadewalds, eine Zwischenbilanz. In: Nautilus – Magazin des Jules-Verne-Clubs. Nr. 35, Oktober 2019, S. 43–45.
- ↑ 11,0 11,1 Volker Dehs: Wolfgang Thadewalds Vernereien. S. 8.
- ↑ Thomas Schlück: Wolfgang Thadewald und Stanisław Lem. In: Le Blanc Weigand (Hrsg.): Zwischen Jules Verne und Ewigkeit – Wolfgang Thadewald – Erinnerungen an einen Freund. S. 38.
- ↑ Heinz J. Galle: Wie die Science Fiction Deutschland eroberte. Erinnerungen an die miterlebte Vergangenheit der Zukunft. Dieter von Reeken (Hrsg.), Lüneburg 2008, S. 42–43.
- ↑ Verkehrssysteme der Zukunft - eine interdisziplinäre wissenschaftliche Studie
- ↑ Stiftungsdaten der Phantastischen Bibliothek Wetzlar
- ↑ Nominierung für den Sonderpreis des KLP 2007
- ↑
der Geschichte: Museumsmagazin 3/2013: „Der Weg ist das Ziel!“
- ↑
[1]-Artikel über Vurguzz
- ↑ Wolfgang Thadewald: Die Geschichte des Vurguzz. In: SFGH-Chroniken. Nr. 181, Science Fiction Gruppe Hannover, Dezember 1997.
- ↑ 20,0 20,1 Volker Dehs: Wolfgang Thadewalds Vernereien. S. 9.
- ↑ Heinrich Wimmer: Ein bibliographisches Gehirn. In: Le Blanc Weigand (Hrsg.): Zwischen Jules Verne und Ewigkeit – Wolfgang Thadewald – Erinnerungen an einen Freund. S. 25–26.
- ↑ Alpers, Fuchs, Hahn und Jeschke: Lexikon der Science Fiction Literatur. Bd. 2, S. 1204.
- ↑ Wolfgang Thadewalds Nautilus-Artikel
- ↑ Offizielle Website des Jules-Verne-Clubs
- ↑ Veröffentlichungen des Jules-Verne-Clubs
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