Wolf Detlef Rohr: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 10: | Zeile 10: | ||
Sein Einfluss zeigte sich unter anderem darin, dass Rohrs Presseagentur ab Ausgabe drei für den Druck des SFCD-Magazins [[Andromeda (Magazin)|Andromeda]] verantwortlich war. Von 1958 bis 1960 gab Rohr das erste professionell gedruckte, deutschsprachige Fanmagazin, [[Blick in die Zukunft]], heraus, anfangs noch gemeinsam mit Walter Ernsting. W. D. Rohr war zudem Kopf der Augsburger Gruppe des SFCD. | Sein Einfluss zeigte sich unter anderem darin, dass Rohrs Presseagentur ab Ausgabe drei für den Druck des SFCD-Magazins [[Andromeda (Magazin)|Andromeda]] verantwortlich war. Von 1958 bis 1960 gab Rohr das erste professionell gedruckte, deutschsprachige Fanmagazin, [[Blick in die Zukunft]], heraus, anfangs noch gemeinsam mit Walter Ernsting. W. D. Rohr war zudem Kopf der Augsburger Gruppe des SFCD. | ||
Rohr unterhielt zunächst ein freundschaftliches Verhältnis zum [[Perry Rhodan|Perry-Rhodan]]-Miterfinder und SFCD-Gründer Ernsting. Ernsting, dessen Autorenkarriere | Rohr unterhielt zunächst ein freundschaftliches Verhältnis zum [[Perry Rhodan|Perry-Rhodan]]-Miterfinder und SFCD-Gründer Ernsting. Ernsting, dessen Autorenkarriere an Fahrt aufnahm, war vom zum zusätzlichen Arbeitspensum als 1. Vorsitzender des SFCD mittlerweile überfordert. Ernsting setzte daraufhin W. D. Rohr als Geschäftsführer des SFCD ein. Im SFCD, der zwischenzeitlich in ''Science Fiction Club Europa'' (SFCE) umfirmiert worden war, übernahm Rohr zunehmend die Kontrolle und trieb eine Professionalisierung und Kommerzialisierung des Clubs voran. Der SFCE sollte zum kommerziellen Buchclub und die Clubzeitschrift eine Illustrierte werden, während der Buchversand als Gewerbe angemeldet wurde.<ref name="an284">[[Fabian-Alexander Lipki]]: ''Über neue Projekte, alte Fehden und die Entstehung deutscher SF-Cons'' in [[Andromeda Nachrichten]] [https://sfcd.eu/file/a/7d070b83779475212.pdf 284], Februar 2024</ref> | ||
1958 kam es zum Bruch zwischen Rohr und Ernsting, da letzterer die Kommerzialisierung nicht mehr mittragen wollte.<ref>https://efanzines.com/CounterClock/CoClock-14.pdf</ref> Ernsting verfolgte eine eher idealistische, fanorientierte Vision für den SFCE, welche Rohr ablehnte. Der Konflikt zwischen beiden führte zur Spaltung des SFCE. | 1958 kam es zum Bruch zwischen Rohr und Ernsting, da letzterer die Kommerzialisierung nicht mehr mittragen wollte.<ref>https://efanzines.com/CounterClock/CoClock-14.pdf</ref> Ernsting verfolgte eine eher idealistische, fanorientierte Vision für den SFCE, welche Rohr ablehnte. Der Konflikt zwischen beiden führte zur Spaltung des SFCE. | ||
Aktuelle Version vom 3. Dezember 2025, 12:41 Uhr
Wolf Detlef Rohr (häufig kurz W. D. Rohr; * 1928 in Breslau; † 26. Mai 1981 in Augsburg(?)) war ein deutscher Schrifsteller, Literaturagent und Teil des Science Fiction-Fandoms. Er verwendete auch die Pseudonyme Wayne Coover, Allan Reed und Jeff Caine.
Leben
Der aus Breslau stammende Wolf Detlef Rohr wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs zur Wehrmacht eingezogen und kam nach Kriegsende nach Süddeutschland. Nach diversen Gelegenheitsjobs fing er ab 1950 an, sich als Autor zu betätigen.
Zwischen 1950 und 1960 verfasste er mehr als 100 Romane, speziell in den Heftreihen Utopia, Terra und Luna Utopia.[1] Häufig versuchte er darin die Brücke zwischen Kriminalroman und Science Fiction zu schlagen. Rohrs Romane folgten meist einem einfachen Handlungsschema. Seine Helden waren in der Regel Wissenschaftler, Reporter und Techniker, während die gesellschaftlichen Verhältnisse der 1950er Jahre unreflektiert widergegeben wurden.[1] Teils wurden seine Werke als „Trivial-SF“ beschrieben.[2] Kommerziell waren sie aber durchaus erfolgreich. Er gründete in den 1950er-Jahren die Buch- und Presseagentur Augsburg.[3]
Der damals in Augsburg ansässige Rohr war schon früh Mitglied im Science Fiction Club Deutschland. Neben Walter Ernsting, Heinz Bingenheimer und Karl-Herbert Scheer zählte er in der Frühzeit der deutschen SF zu deren Leitfiguren.
Sein Einfluss zeigte sich unter anderem darin, dass Rohrs Presseagentur ab Ausgabe drei für den Druck des SFCD-Magazins Andromeda verantwortlich war. Von 1958 bis 1960 gab Rohr das erste professionell gedruckte, deutschsprachige Fanmagazin, Blick in die Zukunft, heraus, anfangs noch gemeinsam mit Walter Ernsting. W. D. Rohr war zudem Kopf der Augsburger Gruppe des SFCD.
Rohr unterhielt zunächst ein freundschaftliches Verhältnis zum Perry-Rhodan-Miterfinder und SFCD-Gründer Ernsting. Ernsting, dessen Autorenkarriere an Fahrt aufnahm, war vom zum zusätzlichen Arbeitspensum als 1. Vorsitzender des SFCD mittlerweile überfordert. Ernsting setzte daraufhin W. D. Rohr als Geschäftsführer des SFCD ein. Im SFCD, der zwischenzeitlich in Science Fiction Club Europa (SFCE) umfirmiert worden war, übernahm Rohr zunehmend die Kontrolle und trieb eine Professionalisierung und Kommerzialisierung des Clubs voran. Der SFCE sollte zum kommerziellen Buchclub und die Clubzeitschrift eine Illustrierte werden, während der Buchversand als Gewerbe angemeldet wurde.[4]
1958 kam es zum Bruch zwischen Rohr und Ernsting, da letzterer die Kommerzialisierung nicht mehr mittragen wollte.[5] Ernsting verfolgte eine eher idealistische, fanorientierte Vision für den SFCE, welche Rohr ablehnte. Der Konflikt zwischen beiden führte zur Spaltung des SFCE.
Ernsting gründete im Januar 1959 die Science Fiction Union Europa (SFUE), während der „alte“ SFCE nun komplett unter die Leitung Rohrs kam. 1959 stellte sich heraus, dass der SFCD bei der Umfirmierung in SFCE rechtlich nie aufgelöst worden war, weshalb Ernstings SFUE kurz darauf in den wiederbelebten SFCD zurückgeführt wurde. Dies wurde von Rohr juristisch angefochten. Auch mit ihm eher feindlich gesonnenen Fanzines, wie etwa Munich Round Up, lieferte sich Rohr Ende der 1950er-Jahre diverse Fehden. Über den eskalierenden Streit wurde auch im internationalen Fandom berichtet.[6]
Innerhalb des Fandoms genoss Ernsting mit seinem idealistischen Ansatz deutlich stärkeren Rückhalt als Rohr mit seiner Vision von der Professionalisierung und Gewinnorientierung. Nur wenige Big-Name-Fans schlugen sich auf Rohrs Seite, darunter etwa Heinz Fries. Der unter Rohrs Kontrolle verbliebene SFCE scheiterte wenig später.
Um 1960 zog sich W. D. Rohr komplett aus der Science Fiction und vom Schreiben von Romanen zurück.
1960 wurde er zeitweiliger Chefredakteur des kurzlebigen Jugendmagazins Hallo und betrieb einen Film-Funk-TV-Pressedienst.[7]. Quellen zufolge arbeitete er danach bis zu seinem frühen Tod 1981 in der Werbebranche.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Uwe Weiher: Männer der Zukunft: Wolf Detlef Rohr, in Zauberspiegel Online, 10. April 2010
- ↑ https://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2014/06/19/video-science-fiction-in-deutschland/
- ↑ https://sfcd.eu/file/a/db1e0885b73907112.pdf
- ↑ Fabian-Alexander Lipki: Über neue Projekte, alte Fehden und die Entstehung deutscher SF-Cons in Andromeda Nachrichten 284, Februar 2024
- ↑ https://efanzines.com/CounterClock/CoClock-14.pdf
- ↑ Sirius 01, Juni 1959
- ↑ http://web.archive.org/web/20120605052601/http://www.schattenblick.de/infopool/bildkult/litera/sfbu003.html