Inner-Clubliche Opposition - ICO/ML: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 20. Januar 2024, 02:17 Uhr
Die Inner-Clubliche Opposition - ICO/ML war ein gedacht weltweiter Zusammenschluss von Genreinteressierten.
Geschichte
Anfänge
Gegründet wurde die ICO/ML am 23. Mai 1973 von Heinz J. Baldowé und Walter Jost (in Grefrath?). Beide waren zu der Zeit vor allem im Arbeitskreis für Politische Science Fiction aktiv, bei der Gründung war in erster Linie an die Bildung einer Fraktion im AFPSF gedacht.
In Gründungserklärung und Programmentwurf der ICO/ML heißt es:
In der klaren Erkenntnis, daß der SFCDeV und seine Lakaien nichts anderes als Instrumente des kapitalistischen Verdummungs- und Propaganda-Apparates sind, gründeten im Mai dieses Jahres junge radikale Sozialisten und Antifaschisten die ICO/ML als Kampfgruppe gegen reaktionäre Auswüchse im SFCDeV und bürgerliche Tendenzen im AFPSF. Allein die damals noch ungünstige allgemeine innere Strukturierung verhinderte die Durchsetzung einer klaren, effektiven Linie des offenen Eintretens der ICO/ML für die Interessen der Arbeiterklasse und die Errichtung des Sozialismus. ...
[1]
Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!
NIEDER MIT DEM BÜRGERLICHEN SFCD!
Am 10. und 11. Juni 1973 war Heinz J. Baldowé Ausrichter des 2. Arbeitstreffens des AFPSF in Grefrath/Neuss.
Reise-Aktivitäten
Einige Aufregungen - nicht nur am Niederrhein - verursachte ein Besuch des Lüneburgers Uwe Thomas vom 21. bis 29. Juli 1973 in Grefrath. Diese Zeit stand für die Beteiligten völlig im Zeichen fannischer Aktivitäten, vor allem in Form von Besuchen bei Fandom-Aktiven in nahegelegenen Städten.
- 22. Juli: Besuch in Wuppertal
- 23. Juli: Besuch in Düsseldorf
- 24. Juli: Besuch in Remscheid
- 25. Juli: Ausschlussanträge
- 26. Juli: Besuch in Köln
- 27. Juli: Ausschlussanträge
- 28. Juli
- 29. Juli: Besuch in Rheydt
... stellen aus diesem Grunde den Antrag, unten angegebene Personen ...
Doch nicht allein zu Reisen durch die umliegenden Ländereien wurde die Zeit genutzt. Am 25. Juli stellten Baldowé, Jost und Thomas einen Antrag an die Mitgliederversammlung des SFCD, 43 Personen (von denen zu diesem Zeitpunkt allerdings nur noch 41 dem SFCD angehörten) aus dem Club auszuschließen. "Mit Reaktionären dürfen und können wir uns nicht vereinigen. Wir stellen aus diesem Grunde den Antrag, unten angegebene Personen aus dem SFCD auszuschließen." (Folgt Aufzählung). Zwei Tage später folgte "... Nun noch eine Ergänzung zu unserem letzten Schreiben. Leider haben wir bei unserem Antrag einige destruktive Kräfte nicht berücksichtigt. Dies sind: ..." (Folgt Aufzählung mit weiteren 32 Ausschlußanträgen). Diese Ausschlußanträge verursachten einen beachtlichen Wirbel, der weiter unten in Einzelheiten geschildert wird.
Erwähnenswert ist noch, daß sich schließlich endlich am 29. Juli in der Gaststätte Schmidt, wo man auf den Bus nach Grefrath wartete, die "Inner-Clubliche Opposition - ICO/ML" als überregionale und internationale Organisation konstituierte. Auch die Herausgabe einer Dokumentation über die Beziehungen zu Martin EISELE, einem in Eislingen ansässigen Newszine-Herausgeber, unter dem Titel Orbiter 175 wurde hier abschließend besprochen.
Ausschlussanträge
Die gemeinsamen Aktionen der ICO/ML blieben nicht ohne Reaktion. Sofort nach dem Erhalt des ersten Ausschlußantrages gegen 43 SFCD-Mitglieder verschickte der damalige stellvertretende Vorsitzende des Clubs, Dieter Steinseifer, ein Rundschreiben an die Betroffenen, um sie zu informieren.
Bis zur Mitgliederversammlung des SFCD am 11. August in Ulm/Grimmelfingen erschienen noch zwei weitere Rundschreiben, in denen Reaktionen auf die Anträge der ICO/ML veröffentlicht wurden. U. a. stellten Heinz W. Kloos, Uwe Anton, Franz Schröpf, Gustav Gaisbauer und Carla Mötteli Ausschlussanträge.
Verwirrt wurde die Situation zudem noch durch das widersprüchliche Verhalten der ICO/ML. Baldowé sandte mehrere Stellungnahmen an STEINSEIFER, in denen er die Ausschlußanträge als "grobe Gaudi" bezeichnete und zurückzog. Einzig den Ausschlußantrag gegen Axel MEHLHARDT, damals mit Inaktivität glänzender SFCD-Vorsitzender, erhielt er aufrecht. Zudem entschuldigte er sich und bot finanzielle Wiedergutmachung für den durch den Versand der Rundschreiben entstandenen Aufwand an. Anders reagierte Uwe THOMAS, der an STEINSEIFER schrieb: "Ich schließe mich dem Rückzieher von Heinz-Jakob BALDOWÉ nicht an. Die Reaktionäre müssen verschwinden, oder ich werde ausgeschlossen, so lautet meine Devise."
Jost schließlich reagierte gar nicht auf die eifrige Rundschreibentätigkeit des SFCD-Vorstandes. Er konzentrierte sich auf die Umsetzung der zuletzt von der ICO/ML gefassten Beschlüsse, textete eine Erklärung der maoistischen
Liga gegen den Imperialismus zu "Gründungserklärung und Programmentwurf der Inner-Clublichen Opposition - ICO/ML" um und bereitete die Herausgabe der ersten Nummer von Neues Forum vor, das als "Organ der Inner-Clublichen Opposition - ICO/ML - Regional-Kommission RHEIN" erscheinen sollte. Mehr Gestalt als ein fragmentarisches Konzept[2], Kopf und Titelblatt nahm Neues Forum vorerst allerdings nicht an, die erste Nummer erschien in der Folge der laufenden Entwicklung nicht mehr. Die Aktivitäten der ICO/ML waren damit beendet.[3]
Ulm-Con
Vom 10. bis 12. August fand schließlich in Ulm/Grimmelfingen der SFCD-Jahrescon 1973 statt. Die ICO/ML war allerdings nicht erschienen, da JOST inzwischen seine Ausbildung begonnen und keinen Urlaub erhalten hatte und BALDOWÉ und THOMAS nicht über die erforderlichen finanziellen Mittel für die Reise verfügten. THOMAS hatte im Namen der ICO/ML eine Grußbotschaft an die Mitgliedschaft des SFCD geschickt, die jedoch nicht mit den niederrheinischen Mitgliedern abgesprochen war. So war als Vertreter des niederrheinischen Fandom nur Karl-Heinz Schmitz erschienen, dem JOST u. a. Orbiter 175 und einen Stapel ICO/ML-Grundsatzerklärungen mitgab. SCHMITZ teilte allerdings nicht die Auffassungen der ICO/ML, verzichtete deshalb darauf, den Orbiter zu verkaufen und legte ihn nur aus.
Immerhin hatte die ganze Aktion die Phantasie des Ahrensburger SFCD-Mitglieds Eckhard D. Marwitz so angeheizt, daß er einen Sketch ("Moritat in 5 Aufzügen") verfasst hatte, der am 10. [August] bei dem Con aufgeführt wurde.
Die diversen Ausschlußanträge wurden schließlich vom SFCD-Vorstand vor der Mitgliederversammlung wie folgt entschieden: "Die gestellten ... Ausschlußanträge werden zurückgewiesen. ... Der Vorstand mißbilligt die Behinderung der Club-Arbeit ..." Ebenso wurden die Ausschlußanträge gegen die ICO/ML-Gründer zurückgewiesen.
Einordnung
Die Tätigkeit der ICO/ML kann als eine Form der
Spaßguerilla im deutschen Science Fiction-Fandom betrachtet werden.
Aus der Sponti-Linken entstanden, agierte die Spaßguerilla in ihrer Militanz lustbetont, lebensbejahend und antiautoritär. Damit hoben sie sich – durchaus gezielt – von den restriktiven Umgangsformen der K-Gruppen ... ab und vertraten im Grunde eher anarchistische Ideale.
ML stand somit auch nicht für Marxisten-Leninisten, sondern für "Mutwillige Leseratten" (nach anderen Quellen für "Mysteriöse Literaten").[4] -->
Literatur
Heinz J. Baldowé; Walter Jost: Geschichte der SFCD-Regionalgruppe Niederrhein 1972-1977 (Manuskript).
Einzelnachweise
- ↑ Gründungserklärung und Programmentwurf der Inner-Clublichen Opposition - ICO/ML. Der Text entstand allerdings erst im August 1973. Dazu wurde ein Flugblatt der maoistischen Liga gegen den Imperialismus auf Fandom-Verhältnisse umgeschrieben.
- ↑ Anzeige in: Galactic Nr. 2/3, Oktober 1973, S. 62
- ↑ Neues Forum erschien dann ab Januar 1974 mit verändertem Konzept und veränderter Herausgeberschaft.
- ↑ Heinz J. Baldowé; Walter Jost: Geschichte der SFCD-Regionalgruppe Niederrhein 1972-1977 (Manuskript), S. 99.