Munich Round Up

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Titelblatt der MRU #133, Juni/Juli 1974

Die Munich Round Up (kurz MRU) war ein von 1958 bis 2014 erscheinendes Science-Fiction-Fanzine mit leicht satirisch-humorvollem Einschlag. Es gehörte zu den langlebigsten deutschen SF-Fanzines überhaupt.

Ursprünglich ein Magazin der SFCD-Gruppe München, erreichte es im deutschen SF-Fandom zeitweise überregionale Bedeutung, bevor seine Bedeutung ab den 1980er-Jahren wieder schrumpfte. Zuletzt war die MRU vor allem als Projekt der beiden langjährigen Herausgeber Waldemar Kumming und Gary Klüpfel bekannt.

Geschichte

Die ursprünglichen Herausgeber der Munich Round Up waren Heinz Fries und Gottlieb Mährlein (1924-1994). Die MRU war gedacht als lokales Fanzine der Münchner Science-Fiction-Fans bzw. SFCD-Mitglieder und hatte von Anfang an einen etwas satirischen Ton. Die erste Ausgabe des Hefts hatte noch keinen Namen, ab Ausgabe zwei einigte man sich dann auf Munich Round Up.[1]

Ab Ausgabe 5 kamen als Herausgeber neben den Gründern noch Waldemar Kumming und Walter Reinecke hinzu, während Heinz Fries ausschied. Ab Ausgabe 7 wurde Waldemar Kumming an erster Stelle der Herausgeber angeführt und blieb dies auch bis zur Einstellung des Hefts fast 60 Jahre später. Ab Ausgabe 13 schied mit Gotlieb Mährlein der letzte der beiden Gründer als Herausgeber aus. Stattdessen rückten Walter Reinecke sowie der damals noch sehr junge Jürgen vom Scheidt nach. Kumming blieb jedoch der prägendste Kopf der MRU; von Jürgen vom Scheidt wurde er damals als „spiritus rector“ der Münchner Gruppe bezeichnet.[2]

Jürgen vom Scheidt schied zur Ausgabe 41 (März 1962) als Herausgeber aus, blieb aber der MRU als regelmäßiger Autor verbunden. Als Ersatz wurde Klausgerd Berger gefunden, der ab Ausgabe 62 (Dezember 1963) durch Gary Klüpfel ersetzt wurde. Er

Das Trio Kumming, Reinecke und Klüpfel sollten die MRU entscheidend prägen; Klüpfel und Kumming sogar bis zur letzten Ausgabe. Die MRU hatte ihre Blütezeit von der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre bis Ende der 1970er-Jahre und erschien in dieser Zeit zunächst monatlich, später alle zwei Monate. In dieser Zeit wuchs ihr Einfluss im Fandom weit über München und Bayern hinaus.

Neben den Herausgebern trugen über die Jahre zahlreiche hochkarätige Namen des Fandoms zur MRU bei, darunter etwa Jesco von Puttkamer, Charlotte Franke, Herbert W. Franke, Heinz Galle, Bernt Kling, Walter Ernsting (häufig als Stirnagel), Gerd Maximovič, Gert Zech, Adi Fritsch, Winfried Petri, Thomas Recktenwald, W. W. Shols, Thomas Schlück, Wolfgang Jeschke, Carla Mötteli, Helmuth W. Mommers, Ernst Vlcek, Uschi Zietsch, Roland Rosenbauer, Dieter Sachse (letzterer vor allem Fotos) und viele andere. Seit Ende der 1950er-Jahre bis zur Einstellung des Hefts steuerte außerdem Wolfgang „Wolfie“ Baum, Mitgründer der Münchner Kunstschule Akademie U5, Illustrationen zum Heft bei. Regelmäßig wurden auch von Gary Klüpfel angefertigte deutsche Übersetzungen von Manuskripten Bob Shaws abgedruckt.[3]

Ab den 1970er-Jahren versuchte Waldemar Kumming die MRU zur Vernetzung mit internationalen Fans zu nutzen und ließ sie über Andrew Porter auch in den USA vertreiben; daher wurden zunehmend Artikel sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch abgedruckt.

1981 verstarb Co-Herausgeber Walter Reinecke (1919-1981).[4] Dies war ein schwerer Schlag für die MRU, deren Erscheinen nun deutlich seltener wurde. Kurzfristig rückte der damalige SFCD-Vorsitzende Norbert Hefner in den Herausgeberkreis nach. Seine Mitarbeit endete jedoch schon 1982 wieder, zeitgleich mit seinem Rücktritt als SFCD-Vorstand.

Im Wesentlichen blieb die Herausgeberschaft seitdem bei Kumming und Klüpfel. Neue Ausgaben erschienen nach Reineckes Tod nur noch jährlich. Eine weitere Änderung war, dass die Zweisprachigkeit des Hefts von Kumming noch stärker etabliert wurde. Inhaltlich nahmen insbesondere Con-Berichte einen stärkeren Rahmen ein.

1993 wurde Waldemar Kumming der Kurd-Laßwitz-Preis für sein Lebenswerk verliehen - und damit unter anderem auch für die MRU.

Die Ausgabe 178 im Jahr 2009 war die letzte, die noch im regelmäßigen Erscheinungszyklus veröffentlicht wurde, was auch im Heft selbst angekündigt wurde. Dennoch war eine Fortführung der MRU weiterhin geplant. Die letzte Ausgabe, 179, erschien rund fünf Jahre später, im Juli 2014. Dabei trat Langzeitherausgeber Waldemar Kumming aus Altersgründen endgültig zurück, womit auch die Erscheinung der MRU endete. Ursprünglich war geplant, dass Thomas Recktenwald, der in den letzten Ausgaben auch Artikel beigesteuert hatte, das Fanzine fortführen sollte[5], dazu kam es jedoch nicht.

Quellen

  1. Waldemar Kumming: Abschied von Walter Ernsting/Clark Darlton; in Munich Round Up #174, S. 13
  2. Jürgen vom Scheidt auf hyperwriting.de: Geburt eines Schriftstellers aus dem Kopf einer Rock´n´Roll-Party anno 1957; 29. Januar 2021
  3. Munich Round Up auf fancyclopedia.org]
  4. Hands Across the Water
  5. Klaus N. Frick: Munich Round Up 179 auf enpunkt.blogspot.com